DITHMARSCHER MEHLBEUTEL
MIT GERASPELTER SCHOKOLADE
4 Personen
4 Eier
500 ml Milch (1,5 %)
60 g Butter
60 g Schmalz
600 g Mehl
60 g Zucker
1 Prise Meersalz
125 g grob geraspelte Kuvertüre, halbbitter
Die Eier trennen. Eiweiß steif schlagen. Das Eigelb mit der Milch verschlagen. Butter und Schmalz auf kleiner Flamme schmelzen und dazu rühren. Mehl, Zucker und Salz vermischen und vorsichtig mit der Eiermilch verrühren. Als letztes werden die Kuvertüre und das steif geschlagene Eiweiß untergehoben.
Anschließend kommt die Masse auf ein kochfestes angefeuchtetes Tuch, das zuvor in der Mitte mit etwas Mehl bestreut wurde. Tuch an allen vier Enden verknoten und in einem Topf mit kochendem Wasser zwei Stunden kochen. Den Mehlbeutel anschließend in Scheiben schneiden und mit Vanillesauce (siehe Beilagen) oder heißen Kirschen servieren.
Der Mehlbeutel ist das Dithmarscher Nationalgericht. Traditionell angereichert mit Schweinebacke, durchwachsenem Speck, Kochwürsten oder Kasseler.
Es gibt den „Weißen Mehlbeutel“ und für Festlichkeiten die Luxusausführung den „Bunten Mehlbeutel“ – in den Teig kommen entschieden mehr Eier, außerdem Rosinen und Korinthen. Schließlich gibt es noch den „Schwarzen Mehlbeutel“, zubereitet mit Blut.
Reste vom Mehlbeutel schmecken am nächsten Tag als Schmarren in der Pfanne gebraten, mit Zucker und Zimt bestreut, ganz köstlich.
TIPP
Um den Mehlbeutelteig besser verknoten
zu können, das angefeuchtete Tuch über einer
tiefen Schüssel ausbreiten und den Teig
hinein geben. Somit läuft er nicht auseinander.
Und eine kleine Geschichte:
Die Geschichte vom Mehlbeutel.
Von G. Ahr www.buesumer-krabbenstube.de
Zu spät: Der Wochenmarkt war bereits gestern Nachmittag. Was einigen Marktbeschickern alle zwei Jahre etwas verdrießlich macht: Ihre Tradition muss einer anderen weichen. Heute ist Marktfrieden, und der würdigt einmal mehr die Jahrhunderte alte Tradition eben des Heider Marktes. Das Fest weckt Erinnerungen an die Zeiten, da der Flecken “Up de Heid“ noch das politische, juristische und wirtschaftliche Zentrum der freien Bauernrepublik Dithmarschen war, an jene Zeiten also auch, als Kolumbus gerade nach Amerika unterwegs war, um die Kartoffel nach Europa zu holen.
Mit dem historischen Marktfrieden stellte sich die Frage, was denn damals, so vor gut 500 Jahren, auf dem Speiseplan stand. Die Dithmarscher „schlingen ihr Essen ein wie Hunde“, berichtet ein Chronist aus alten Tagen. In der Tat hatten die Dithmarscher eine wirkungsvolle Geheimwaffe gegen den Hunger (und vermutlich auch gegen unerwünschte Eindringlinge): Mehlbeutel. Der Mehlbeutel ist das Dithmarscher Nationalgericht schlechthin. Auch wenn das Gericht nicht für einen Siegeszug auf den kulinarischen Olymp taugt, wird es doch als Relikt und Reliquie aus Urgroßmuters Küche warmgehalten und geschätzt. Es kommt dabei nicht so sehr auf den Gaumenkitzel an, sondern auf den praktischen Nährwert. Und der reicht offensichtlich anno 1500 für den Siegeszug gegen das feindliche Smǿrebrǿt,
Junker Slentz und seine Schwarze Garde.
Der Mehlbeutel ist heute noch eine erschlagene Angelegenheit, wenn man denn zuviel davon Isst. Denn das ist auch schon das Geheimnis: Man muss viel davon essen, für kleine Portion ist er der Mühe nicht wert. Aber nicht nur das. Die Dithmarscherfühlen sich zwar der Tradition verpflichtet, wissen das Althergebrachte aber mit dem Neuen zweckdienlich zu verbinden: Seit Kolumbus gehören Kartoffeln unbedingt dazu, Gemüse und Schweinebacke oder Kassler ergänzen zudem das Gericht, dürfen aber immer noch nicht sattmachen, den zum Dessert gibt es ja auch noch Mehlbeutel, diesmal mit heißen Kirschen.
Jeder hat natürlich sein eigenes Geheimrezept für den schwerwiegenden Traditionskloß.
Man trennt vier Eier, verschlägt das Eigelb mit einem halben Liter Milch. 60g Butter und 60g Schmalz werden vorsichtig geschmolzen und dazugerührt. 600g Mehl wird mit 60g Zucker, 100g Rosinen und eine Prise salz vermischt und vorsichtig mit der Eiermilch verrührt. Als letztes wird das steifgeschlagene Eiweiß untergehoben.
Die Masse kommt dann in ein kochfestes angefeuchtetes Tuch, das zuvor in der Mitte mit etwas Mehl bestreut wurde. Das Tuch wird verknotet und in einem Topf mit Wasser und Schweinebacke zwei Stunden gekocht. Das schmeckt wirklich! Für ein ausgiebiges Mehlbeutel-Essen können einem weiteren Ditmarscher Tugenden nützlich sein: Mut, Ausdauer und ein Aquavit.
Diskussion begonnen von Günther Ahr , am 19 August 12:33